In der vergangenen Woche tauschten Schülerinnen und Schüler der beiden Saarlouiser Gymnasien – dem Robert-Schuman-Gymnasium und Max-Planck-Gymnasium – ihren Unterrichtssaal gegen den Festsaal im Theater am Ring, um an einer besonderen Informations- und Diskussionsveranstaltung teilzunehmen. Unter dem Titel „75 Jahre Europa“ bot der Mainzer Politologe Ingo Espenschied in einer eindrucksvollen Multimedia-Live-Erzählung einen facettenreichen Einblick in die europäische Geschichte und ihrer Entwicklung bis zur Europäischen Union.
Zu Beginn begrüßte Alexander Guß, der Haupt- und Personalamtsleiter, die Anwesenden in seiner Funktion als Vertreter der Verwaltungsspitze der Europastadt Saarlouis. Er betonte dabei die enge historische und kulturelle Verbindung Saarlouis´ mit Europa.
Der anschließende Vortrag begann mit einer historischen Exkursion durch die europäische Geschichte. Espenschied nahm das Publikum mit auf eine Reise von den Zeiten Karls des Großen und des Heiligen Römischen Reichs über die kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften der Aufklärung bis hin zu den dunklen Kapiteln des Kolonialismus und der beiden verheerenden Weltkriege. Mit pointierten Ausführungen und eindrucksvollen visuellen Darstellungen verdeutlichte er, wie aus den Trümmern vergangener Konflikte der Mut zu einem vereinten Europa entstand.
Besonders eindrücklich schilderte er die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als alte Feindschaften überwunden und die Grundlagen für das heutige Europa gelegt wurden – maßgeblich durch den französischen Außenminister Robert Schuman. Dessen Initiative zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde als Meilenstein für die europäische Einigung hervorgehoben.
Im weiteren Verlauf folgte eine lebhafte Fragerunde, die den interaktiven Charakter der Veranstaltung unterstrich. Neben Espenschied stand auch Frank Fried, Leiter von Europe Direct, den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort. In einem offenen Austausch wurden aktuelle Herausforderungen und Chancen eines geeinten Europas diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die europäische Einigung ein dynamischer Prozess ist, der kontinuierliche Anpassungen und das aktive Engagement der Bürgerinnen und Bürger erfordert.
Die Veranstaltung richtete sich gezielt an junge Menschen und sollte sie zu einem offenen Dialog über die Zukunft Europas ermutigen. Die engagierte Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sowie die konstruktiven Beiträge der Experten unterstrichen den Stellenwert von Saarlouis als Europastadt. Gerade in Zeiten wachsender nationalistischer und populistischer Strömungen ist der europäische Zusammenhalt essenziell, um Fortschritt, kulturelle Vielfalt und Frieden zu sichern.